Stillen & Fläschchen

Baby richtig anlegen

Baby richtig anlegen

Die besten Stillpositionen für einen guten Start

Richtiges Anlegen ist der Schlüssel zum erfolgreichen Stillen. Wenn dein Baby die Brust gut erfasst, fließt die Milch optimal, du bekommst keine wunden Brustwarzen und dein Baby wird satt und zufrieden. Hier erfährst du Schritt für Schritt, wie es klappt – und welche Stillposition für welche Situation am besten geeignet ist.

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Warum richtiges Anlegen so wichtig ist

Die meisten Stillprobleme – wunde Brustwarzen, Milchstau, scheinbar „zu wenig Milch” – haben eine gemeinsame Ursache: eine ungünstige Anlegetechnik. Wenn dein Baby nur an der Brustwarze saugt statt einen großen Teil des Warzenhofs zu erfassen, entstehen gleich mehrere Probleme:

  • Wunde Brustwarzen: Das Baby „kaut” auf der empfindlichen Brustwarze statt effektiv zu saugen
  • Weniger Milch: Die Milchgänge werden nicht optimal stimuliert und entleert
  • Unzufriedenes Baby: Es saugt lange, bekommt aber trotzdem nicht genug Milch
  • Milchstau-Risiko: Bestimmte Brustbereiche werden nicht vollständig entleert

Die gute Nachricht

Richtiges Anlegen ist keine Zauberei – es lässt sich lernen! Die meisten Mütter brauchen ein paar Tage bis Wochen Übung. Mit jeder Stillmahlzeit wird es leichter, und irgendwann macht ihr es automatisch richtig.

So erkennst du korrektes Anlegen

Woher weißt du, ob dein Baby richtig an der Brust liegt? Es gibt klare Anzeichen:

Checkliste: Sitzt dein Baby richtig?

  • Mund weit geöffnet
    Wie beim Gähnen, mindestens 140 Grad
  • Lippen nach außen gestülpt
    Wie ein Fischmäulchen, nicht nach innen gezogen
  • Großer Teil des Warzenhofs im Mund
    Unten mehr sichtbar als oben
  • Kinn berührt die Brust
    Nase frei oder nur leicht berührend
  • Wangen gerundet
    Nicht eingefallen – eingefallene Wangen = schlechtes Vakuum
  • Hörbares Schlucken
    Regelmäßig, nicht nur Sauggeräusche
  • Keine anhaltenden Schmerzen
    Anfängliches Ziehen ist normal, dauerhafter Schmerz nicht

Die asymmetrische Anlegetechnik

Modernes Stillen funktioniert asymmetrisch: Das Baby erfasst unten mehr Brustgewebe als oben. Dadurch liegt die Brustwarze weit hinten im Mund Richtung weichem Gaumen, wo sie geschützt ist und die Milch optimal fließen kann.

Merkhilfe: „Kinn führt, Nase folgt”

Das Kinn deines Babys berührt zuerst die Brust, die Nase bleibt frei oder berührt nur leicht. Wenn die Nase stark eingedrückt ist, sitzt das Baby zu mittig.

Schritt für Schritt: Baby richtig anlegen

1

Bequeme Position einnehmen

Setz oder leg dich entspannt hin. Dein Rücken ist gestützt, deine Schultern locker. Leg dir Kissen bereit. Wichtig: Du beugst dich nicht zum Baby hinunter – das Baby kommt zu dir!

2

Baby in Position bringen

Dein Baby liegt auf der Seite, Bauch an Bauch mit dir. Ohr, Schulter und Hüfte bilden eine gerade Linie. Der Kopf ist leicht nach hinten geneigt – nicht nach vorne gebeugt.

3

Brust anbieten (C-Griff)

Forme mit deiner Hand ein „C”: Daumen oben, Finger unten, weit hinter dem Warzenhof (mindestens 4–5 cm). So kannst du die Brust leicht zusammendrücken und anbieten.

4

Suchreflex auslösen

Berühre mit deiner Brustwarze sanft die Oberlippe oder Nase deines Babys. Warte, bis es den Mund weit öffnet – wie beim Gähnen. Nicht bei einem kleinen Mündchen anlegen!

5

Baby zur Brust führen

Wenn der Mund weit offen ist: Bring dein Baby schnell und entschlossen zur Brust (nicht die Brust zum Baby!). Das Kinn dockt zuerst an, das Baby erfasst von unten viel Brustgewebe.

6

Kontrolle und Korrektur

Prüfe die Checkliste oben. Wenn es schmerzt: Löse das Vakuum (kleinen Finger sanft in den Mundwinkel schieben) und beginne neu. Niemals das Baby einfach von der Brust ziehen!

Wichtig

Anfängliches Ziehen beim Andocken (10–30 Sekunden) ist normal und vergeht. Anhaltender Schmerz während des gesamten Stillens ist ein Zeichen für falsches Anlegen. Löse das Baby ab und versuche es erneut!

Die wichtigsten Stillpositionen

Es gibt nicht die eine richtige Stillposition – wichtig ist, dass sie für euch beide funktioniert. Wechsle regelmäßig die Position, um alle Brustbereiche gleichmäßig zu entleeren und Milchstau vorzubeugen.

Wiegegriff (Klassische Haltung)

Der Klassiker für geübte Stillpaare

Du sitzt aufrecht, dein Baby liegt quer über deinem Bauch in deiner Armbeuge. Sein Kopf ruht in der Ellenbogenbeuge der Seite, an der du stillst.

So geht’s: Baby liegt auf der Seite, Bauch an Bauch mit dir. Ohr, Schulter und Hüfte bilden eine Linie. Stütze deinen Arm mit einem Kissen ab.

Geübte StillpaareUnterwegsÄltere Babys

Kreuzgriff (Modifizierter Wiegegriff)

Perfekt für den Stillstart

Du hältst dein Baby mit dem gegenüberliegenden Arm. Stillst du an der rechten Brust, hältst du es mit dem linken Arm – so hast du mehr Kontrolle über den Kopf.

So geht’s: Deine Hand stützt den Nacken (nicht den Hinterkopf!) zwischen Daumen und Zeigefinger. Die andere Hand formt den C-Griff an der Brust.

NeugeboreneStillstartMehr Kontrolle

Rückengriff / Football-Haltung

Perfekt nach Kaiserschnitt

Dein Baby liegt seitlich unter deinem Arm, die Beine zeigen nach hinten. Das Gewicht liegt nicht auf deinem Bauch – ideal nach einer Bauch-Operation.

So geht’s: Setz dich aufrecht hin, leg ein festes Kissen neben dich. Baby auf dem Kissen, Beine nach hinten, Gesicht zu dir. Stütze den Nacken.

Nach KaiserschnittGroße BrüsteZwillingeFlache Brustwarzen

Seitenlage

Entspannt für nachts

Du liegst auf der Seite, dein Baby liegt dir zugewandt – Bauch an Bauch. Perfekt für nächtliches Stillen und wenn du erschöpft bist.

So geht’s: Leg dich auf die Seite, Baby auf gleicher Höhe wie deine Brust. Stütze seinen Rücken mit einer zusammengerollten Decke.

Nächtliches StillenNach DammverletzungBei ErschöpfungNach Kaiserschnitt

Zurückgelehnt (Laid-back / Intuitives Stillen)

Nutzt die natürlichen Reflexe

Du lehnst dich entspannt zurück (ca. 45 Grad), dein Baby liegt bäuchlings auf dir – am besten Haut auf Haut. Es sucht und findet die Brust selbst. Besonders bonding-fördernd!

So geht’s: Lehne dich zurück, stütze dich mit Kissen. Baby bäuchlings auf deinen Oberkörper legen. Gib ihm Zeit – es wird die Brust instinktiv finden.

Direkt nach der GeburtBondingStarker MilchspendereflexUnruhige Babys

Tipp für Mütter mit großen Brüsten

Rolle ein kleines Handtuch zusammen und lege es unter deine Brust, um sie anzuheben. So muss dein Baby den Kopf nicht so weit nach hinten neigen und die Brustwarze zeigt besser Richtung Mund.

Häufige Fehler und Lösungen

Baby liegt zu weit weg

Das Baby muss ganz nah an deinem Körper liegen – Bauch an Bauch, ohne Lücke.

Lösung: Bring das Baby näher zu dir, statt dich hinunterzubeugen. Nutze Kissen zur Unterstützung.

Mund nicht weit genug geöffnet

Viele Babys öffnen den Mund nur ein bisschen. Es braucht aber einen Riesenmund wie beim Gähnen!

Lösung: Geduldig warten und die Lippen sanft stimulieren. Erst anlegen, wenn der Mund wirklich weit offen ist.

Kopf zu stark nach vorne gedrückt

Wenn du den Hinterkopf drückst, klappt das Kinn auf die Brust und das Baby kann nicht richtig schlucken.

Lösung: Stütze nur den Nacken, nie den Hinterkopf. Der Kopf sollte leicht nach hinten geneigt sein.

Brust zum Baby drücken

Wenn du die Brust aktiv in den Mund schiebst, landet oft nur die Brustwarze im Mund.

Lösung: Das Baby zur Brust führen, nicht umgekehrt. Schnell und entschlossen, wenn der Mund weit offen ist.

C-Griff zu nah an der Brustwarze

Finger direkt am Warzenhof verhindern, dass das Baby genug Gewebe erfasst.

Lösung: Finger mindestens 4–5 cm hinter der Brustwarze positionieren.

Hilfreiche Stillhilfsmittel

Einige Hilfsmittel können den Stillstart deutlich erleichtern:

Stillkissen

Ein gutes Stillkissen entlastet Arme, Schultern und Rücken enorm. Besonders wichtig beim Clusterfeeding in den ersten Wochen.

Brustwarzensalbe

Reines Lanolin pflegt strapazierte Brustwarzen und muss vor dem Stillen nicht abgewaschen werden. Mehr dazu: Wunde Brustwarzen – was wirklich hilft.

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Bei empfindlichen Brustwarzen können kühlende Kompressen zwischen den Stillmahlzeiten die Heilung unterstützen.

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Stillhütchen – nur im Notfall

Können bei flachen Brustwarzen vorübergehend helfen, sollten aber nur nach Rücksprache mit einer Stillberaterin verwendet werden.

Wichtig

Stillhütchen sind keine Dauerlösung! Studien zeigen, dass sie die Milchübertragung um bis zu 22 % reduzieren können. Nur übergangsweise nutzen und von einer Stillberaterin begleiten lassen.

Wann du dir Hilfe holen solltest

Stillen ist natürlich – aber nicht immer einfach. Es ist keine Schwäche, sich Unterstützung zu holen.

Hol dir Hilfe, wenn:

  • Anlegen bleibt schmerzhaft
    Trotz mehrerer Versuche anhaltende Schmerzen
  • Wunde oder blutige Brustwarzen
    Brustwarzen sind wund, rissig oder bluten
  • Baby wirkt hungrig nach dem Stillen
    Unruhig und zeigt weiterhin Hungerzeichen
  • Wenige nasse Windeln
    Weniger als 6 pro Tag ab Tag 5 oder keine Gewichtszunahme
  • Verhärtungen in der Brust
    Schmerzhafte Knoten oder Verhärtungen

Anlaufstellen für Stillhilfe

Deine Hebamme

Erste Anlaufstelle – kommt zu dir nach Hause und hilft direkt beim Anlegen.

Stillberaterin (IBCLC)

Spezialisiert auf komplexe Stillprobleme. Suche auf stillen.de oder lalecheliga.de

Stillgruppen

Austausch mit anderen Müttern, oft kostenlos bei Familienzentren.

Stillhotline La Leche Liga

Deutschland: 0221-50 200 70
Österreich: 01-4024 970

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Du schaffst das!

Die ersten Tage und Wochen können herausfordernd sein – aber es wird leichter. Die meisten Stillprobleme lassen sich lösen, wenn du dir früh Unterstützung holst. Egal wie euer Stillweg aussieht: Du machst das großartig!

Quellen: BZgA: Stillen und Muttermilchernährung, 2024; WHO/UNICEF: Baby-Friendly Hospital Initiative, 2018; La Leche Liga Deutschland: Stillpositionen und Anlegetechniken; Academy of Breastfeeding Medicine: Clinical Protocols.
Diese Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine individuelle Stillberatung.
Stand: Februar 2026