Geburt

Geburtsbeginn & Phasen

Von den ersten Wehen bis zur Geburt: was dich erwartet

Jede Geburt ist einzigartig, und doch folgen alle einem natürlichen Muster aus mehreren Phasen. Von den ersten Wehen bis zum Moment, in dem du dein Baby in den Armen hältst, vergehen bei Erstgebärenden durchschnittlich 12 bis 18 Stunden. Hier erfährst du Schritt für Schritt, was in jeder Phase passiert und was dir helfen kann.

4–18h
Gesamtdauer (variabel)
3
Geburtsphasen
10 cm
Muttermundöffnung
60 Min.
Goldene Stunde

Wann geht es los?

Nicht jede Wehe bedeutet, dass die Geburt beginnt. Diese Anzeichen deuten darauf hin, dass es bald soweit ist:

Regelmäßige Wehen

Alle 5–10 Minuten, werden stärker und häufiger. Das sicherste Zeichen für den Geburtsbeginn.

Abgang des Schleimpfropfs

Zähflüssiger, evtl. leicht blutiger Schleim. Kann Stunden bis Tage vor der Geburt passieren.

Blasensprung

Die Fruchtblase platzt. Fruchtwasser läuft aus. Ab jetzt solltest du in die Klinik fahren.

Zeichnungsblutung

Leichte Blutung durch das Öffnen des Muttermundes. Normal und kein Grund zur Sorge.

Wann in die Klinik?

Faustregel (5-1-1): Wenn die Wehen alle 5 Minuten kommen, etwa 1 Minute dauern und das seit mindestens 1 Stunde so geht. Bei Blasensprung, starker Blutung oder wenn du unsicher bist: Lieber früher fahren und nachfragen.

Die drei Geburtsphasen

1

Eröffnungsphase

Erstgebärende: 8–14 Std. | Mehrgebärende: 4–8 Std.

Die längste Phase der Geburt. Durch regelmäßige Wehen öffnet sich der Muttermund schrittweise von 0 auf etwa 10 Zentimeter. Die Wehen kommen anfangs alle 10–20 Minuten und werden im Verlauf kürzer, stärker und häufiger.

Latenzphase (frühe Phase)

Muttermund 0–3 cm. Wehen alle 10–20 Minuten, noch gut auszuhalten. Du kannst dich zu Hause entspannen, spazieren gehen, baden oder ausruhen.

Aktive Phase

Muttermund etwa 5 bis 7 cm (WHO-Definition, in der Praxis oft schon ab 3 bis 4 cm gerechnet). Wehen alle 3–5 Minuten, deutlich intensiver. Jetzt bist du in der Klinik oder im Geburtshaus. Bewegung und Atemtechniken helfen.

Übergangsphase

Muttermund 7–10 cm. Sehr intensive Wehen mit kaum Pausen. Die anstrengendste, aber kürzeste Teilphase. Danach darfst du endlich pressen!

Was hilft in dieser Phase?

Bewegung (Umhergehen, Kreisen), warmes Bad oder Dusche, Atemtechniken, Massage, Pezziball, Wärme auf dem Rücken. Die Unterstützung deiner Begleitperson und der Hebamme ist besonders wertvoll.

2

Austreibungsphase

Erstgebärende: 30 Min.–2 Std. | Mehrgebärende: 15–45 Min.

Der Muttermund ist vollständig geöffnet. Jetzt kommt dein Baby! Der Kopf drückt auf den Beckenboden und löst einen starken Pressdrang aus. Mit jeder Presswehe schiebst du dein Kind ein Stück weiter durch den Geburtskanal.

  • Frühe Austreibung: Das Baby rutscht tiefer ins Becken. Wehen alle 2–3 Minuten.
  • Pressphase: Starker, unwillkürlicher Pressdrang. Du darfst jetzt aktiv mitpressen!
  • Kopf wird sichtbar: Erst bei den Wehen, dann bleibt er draußen. Die Hebamme schützt den Damm.
  • Geburt des Körpers: Nach dem Kopf gleiten Schultern und Körper meist schnell nach.

Geschafft!

In dem Moment, in dem dein Baby geboren ist, schüttet dein Körper Glückshormone aus. Viele Frauen beschreiben diesen Moment als überwältigend. Alle Anstrengung ist plötzlich vergessen.

3

Nachgeburtsphase

Ca. 10–30 Minuten

Die Geburt ist erst vollständig abgeschlossen, wenn auch die Plazenta (Mutterkuchen) geboren ist. Durch Nachwehen zieht sich die Gebärmutter zusammen, die Plazenta löst sich und wird ausgestoßen.

  • Nachwehen: Leichtere Kontraktionen, ähnlich wie Menstruationsschmerzen.
  • Kontrolle: Die Hebamme prüft, ob die Plazenta vollständig ist.
  • Versorgung: Eventuelle Geburtsverletzungen werden jetzt behandelt.

Die Goldene Stunde

Die erste Stunde nach der Geburt ist besonders wertvoll für die Bindung zwischen dir und deinem Baby. In dieser Zeit solltet ihr möglichst ungestört bleiben.

  • Haut-zu-Haut-Kontakt: Dein Baby wird dir direkt auf die nackte Brust gelegt, ungewaschen, nur abgetrocknet. Dies reguliert Temperatur, Herzschlag und Atmung des Babys.
  • Erstes Stillen: Viele Babys suchen instinktiv die Brust. Das erste Stillen fördert die Milchbildung und stärkt die Bindung.
  • Nabelschnur auspulsieren: Heute wird oft gewartet, bis die Nabelschnur ausgepulsiert hat (verzögertes Abnabeln). Das gibt dem Baby zusätzliches Blut und Eisen.
  • Bonding: Oxytocin wird ausgeschüttet. Das „Liebeshormon” stärkt die Bindung und hilft der Gebärmutter, sich zusammenzuziehen.

Auch nach Kaiserschnitt möglich

Bonding ist auch nach einem Kaiserschnitt möglich, oft schon im OP oder direkt danach im Aufwachraum. Wenn du nicht kannst, kann dein Partner das erste Bonding übernehmen.

Mehrgebärende: Es geht schneller!

Bei Frauen, die bereits ein Kind geboren haben, verkürzen sich alle Phasen deutlich. Die gesamte Geburt dauert oft nur 6–8 Stunden statt 12–18. Der Körper „erinnert” sich. Der Geburtskanal ist bereits gedehnt und der Muttermund öffnet sich schneller.

Ab wann beginnt die aktive Phase wirklich?

In der Praxis wird die aktive Eröffnungsphase oft schon ab drei Zentimetern Muttermundweite angegeben. Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert den Beginn der aktiven Phase inzwischen einheitlich ab etwa fünf Zentimetern. Davor spricht man auch bei kräftigeren, regelmäßigen Wehen noch von einer verlängerten Latenzphase. Das ist kein Widerspruch, sondern zeigt vor allem, dass der Übergang fließend ist und von Frau zu Frau unterschiedlich verläuft.

Wer betreut dich während der Geburt?

In Österreich muss bei jeder Geburt eine Hebamme anwesend sein, das schreibt das Hebammengesetz vor. Sie ist deine wichtigste Ansprechpartnerin während der gesamten Geburt. Bei einer Spitalsgeburt ist zusätzlich meist ein Facharzt oder eine Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe im Haus, der oder die bei Bedarf hinzugezogen wird.

Häufige Fragen

Ab welcher Muttermundweite beginnt die aktive Phase der Geburt?

Nach der aktuellen WHO-Definition beginnt die aktive Eröffnungsphase bei etwa 5 Zentimetern Muttermundweite. Davor spricht man von der Latenzphase, die in ihrer Dauer sehr unterschiedlich sein kann.

Muss bei jeder Geburt in Österreich eine Hebamme dabei sein?

Ja. Das österreichische Hebammengesetz schreibt vor, dass bei jeder Geburt eine Hebamme anwesend sein muss, unabhängig davon, ob du im Krankenhaus, im Geburtshaus oder zuhause entbindest.

Wo möchtest du entbinden?

Krankenhaus, Geburtshaus oder Hausgeburt: erfahre die Vor- und Nachteile der verschiedenen Geburtsorte.

Zu Geburtsorte & Optionen →
Quellen: S3-Leitlinie Vaginale Geburt am Termin (DGGG/DGHWi 2020, Überarbeitung ausständig); WHO-Empfehlungen zur Geburtsbetreuung (2018); gesundheit.gv.at. Stand September 2026.
Diese Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine ärztliche oder hebammenkundliche Beratung.