Geburt

Nach der Geburt: Kennenlernzeit und erste Stunden

Die ersten Stunden und Tage mit deinem Baby

Dein Baby ist da! Die ersten Stunden und Tage nach der Geburt sind eine ganz besondere Zeit, geprägt von intensivem Kennenlernen, körperlicher Erholung und großen Gefühlen. Hier erfährst du, was direkt nach der Geburt passiert, welche Untersuchungen anstehen und was dich im Wochenbett erwartet.

Die goldene Stunde

Die erste Stunde nach der Geburt ist magisch: Dein Baby wird dir direkt auf die nackte Brust gelegt. Dieser intensive Haut-zu-Haut-Kontakt, das sogenannte Bonding, ist unglaublich wichtig für euch beide.

  • Wärme & Geborgenheit: Dein Körper hält das Baby auf idealer Temperatur
  • Bindung aufbauen: Oxytocin, das „Kuschelhormon”, wird ausgeschüttet
  • Erstes Stillen: Viele Babys suchen jetzt instinktiv die Brust
  • Auch nach Kaiserschnitt möglich: Oft schon während des Nähens im OP

Die ersten Stunden im Überblick

Minute 1–10

APGAR-Test

Nach 1, 5 und 10 Minuten wird der Zustand deines Babys bewertet: Atmung, Herzschlag, Reflexe, Muskelspannung und Hautfarbe. Normal sind 8–10 Punkte.

Erste Stunde

Bonding & erstes Stillen

Ungestörter Haut-zu-Haut-Kontakt. Viele Babys suchen jetzt instinktiv die Brust und trinken zum ersten Mal die wertvolle Vormilch (Kolostrum).

Nach ca. 30–60 Min

Erste Untersuchung deines Babys

Wiegen, Messen, körperliche Untersuchung, dazu Vitamin K. Sie dauert nur wenige Minuten und ist der Start der Eltern-Kind-Pass-Untersuchungen.

4.–6. Lebensstunde

Pulsoxymetrie-Screening

Ein kleiner Sensor am Fuß misst den Sauerstoffgehalt im Blut, zur Früherkennung schwerer Herzfehler. Völlig schmerzfrei.

2–3 Stunden

Verlegung auf die Wochenbettstation

Wenn es dir und dem Baby gut geht, wechselt ihr vom Kreißsaal auf die Wochenbettstation. Dort beginnt das gemeinsame Ankommen.

Die erste Untersuchung nach der Geburt

Die erste Vorsorgeuntersuchung findet direkt nach der Geburt statt, meist noch im Kreißsaal. Sie wird von der Hebamme oder einem Arzt durchgeführt und dauert nur etwa 10 Minuten.

  • APGAR-Score: Vitalzeichen nach 1, 5 und 10 Minuten
  • Nabelschnurblut: pH-Wert zur Prüfung der Sauerstoffversorgung
  • Körperliche Untersuchung: Herz, Lunge, Reflexe, Fehlbildungen
  • Geburtswerte: Gewicht, Länge, Kopfumfang
  • Vitamin K: Tropfen zur Vorbeugung von Blutungen

Neugeborenen-Screening und Eltern-Kind-Pass

Zwischen der 36. und 72. Lebensstunde wird das Neugeborenen-Screening gemacht (Fersenblut), dazu kommt der Hörtest. Die erste Eltern-Kind-Pass-Untersuchung deines Babys findet in der ersten Lebenswoche statt, meist noch im Spital. Die weiteren Termine stehen im Eltern-Kind-Pass.

Das Wochenbett: Zeit der Erholung

Das Wochenbett dauert etwa 6–8 Wochen und ist eine Zeit der körperlichen Erholung und des intensiven Kennenlernens. Dein Körper hat Großartiges geleistet. Gönne ihm jetzt Ruhe!

Wochenfluss

Nach der Geburt blutet die Wunde, wo die Plazenta saß. Dieser Wochenfluss (Lochien) ist völlig normal und dauert ca. 4–6 Wochen. Verwende große Binden, keine Tampons!

Woche 1
hellrot, stark
Woche 2
bräunlich
Woche 3
gelblich
Woche 4+
weißlich

Nachwehen

Die Gebärmutter zieht sich zusammen und schrumpft von ca. 1 kg zurück auf 60–70 g. Das verursacht krampfartige Nachwehen, besonders beim Stillen (Oxytocin!). Mit jedem Kind werden sie stärker.

Tipp: Wärme (Kirschkernkissen) und bewusstes Atmen helfen. Nach 3–4 Tagen lassen die Nachwehen deutlich nach.

Milcheinschuss

Am 2.–5. Tag nach der Geburt kommt der Milcheinschuss: Die Brüste werden größer, prall und warm. Das kann unangenehm sein, reguliert sich aber nach ein paar Tagen.

Tipp: Häufiges Anlegen, kühle Quarkwickel nach dem Stillen und Stilleinlagen für auslaufende Milch helfen.

Rückbildung

Gebärmutter, Beckenboden und Bauchmuskulatur brauchen Zeit zur Erholung. Mit Rückbildungsgymnastik solltest du erst 6–8 Wochen nach der Geburt beginnen (nach Kaiserschnitt 8–10 Wochen).

Tipp: Sanfte Beckenbodenübungen sind schon im frühen Wochenbett möglich. Frag deine Hebamme!

Wann zum Arzt?

Bei Fieber über 38°C, übel riechendem Wochenfluss, starken Schmerzen, plötzlich verstärkter Blutung oder Rötung/Schwellung an der Kaiserschnittnarbe, kontaktiere sofort deine Hebamme oder den Arzt!

Gefühle im Wochenbett

„Im Wochenbett muss alles fließen: Blut, Milch und Tränen.” Die hormonelle Umstellung nach der Geburt ist enorm. Es ist völlig normal, wenn deine Gefühle Achterbahn fahren!

Überwältigendes Glück

Viele Mütter erleben intensive Glücksgefühle, Staunen und tiefe Verbundenheit mit ihrem Baby. Das Oxytocin beim Kuscheln und Stillen verstärkt diese Gefühle.

Baby Blues

Ca. 50–80% der Mütter erleben zwischen Tag 3–5 ein Stimmungstief: Tränen, Reizbarkeit, Erschöpfung. Der Baby Blues klingt nach wenigen Tagen von selbst ab.

Wochenbettdepression

Halten Traurigkeit, Antriebslosigkeit oder Ängste über 2 Wochen an, kann eine Wochenbettdepression vorliegen. Sie ist behandelbar. Sprich offen mit deiner Hebamme oder dem Arzt darüber.

Du bist nicht allein

Gemischte Gefühle sind kein Zeichen von Versagen. Sprich mit deinem Partner, deiner Hebamme oder anderen Müttern. Eine Wochenbettdepression trifft ca. 10–15% aller Mütter. Sie ist keine Schwäche, sondern eine behandelbare Erkrankung.

Stillen: ein guter Start

Stillen ist die natürlichste Ernährung für dein Baby. Die Vormilch (Kolostrum) in den ersten Tagen ist besonders wertvoll: Sie enthält wichtige Antikörper und ist perfekt auf die Bedürfnisse deines Neugeborenen abgestimmt.

Tag 1–2: Kolostrum

Die goldene Vormilch ist dickflüssig und kommt nur in kleinen Mengen, aber genau richtig für den winzigen Babymagen. Reich an Antikörpern und perfekt verdaulich.

Tag 2–5: Milcheinschuss

Die Milchproduktion kommt in Gang. Die Brüste werden prall und voll. Häufiges Anlegen (8–12x täglich) hilft, die Milchproduktion zu regulieren.

Stillprobleme? Hol dir Hilfe!

Wunde Brustwarzen, Schmerzen beim Anlegen oder zu wenig Milch? Das sind häufige Anfangsprobleme. Deine Hebamme oder eine Stillberaterin kann dir helfen. Zögere nicht, sie zu fragen! Auch wenn du nicht stillen kannst oder möchtest: Das ist okay. Dein Baby wird mit Flaschenmilch genauso groß und stark.

Tipps für die erste Zeit

Besuch begrenzen

Ihr braucht Zeit zum Ankommen. Bitte Besucher, sich vorher anzumelden und nicht zu lange zu bleiben. Es ist okay, Nein zu sagen!

Schlaf, wenn das Baby schläft

Der Haushalt kann warten. Nutze jede Gelegenheit für Ruhe, auch tagsüber. Schlafmangel ist normal, aber jede Minute Erholung zählt.

Hilfe annehmen

Lass dir kochen, putzen, einkaufen. Eine Haushaltshilfe kann von der Krankenkasse übernommen werden. Du musst nicht alles alleine schaffen!

Auf dich achten

Iss regelmäßig, trink genug, gönn dir kleine Auszeiten. Du bist wichtig. Nur wenn es dir gut geht, kannst du gut für dein Baby sorgen.

Postpartale Depression: auch später noch möglich

Eine Wochenbettdepression beginnt nicht immer gleich in den ersten Tagen. Sie kann sich auch schleichend entwickeln und bis zu einem Jahr nach der Geburt auftreten. Achte deshalb nicht nur in den ersten Wochen, sondern über das ganze erste Jahr auf anhaltende Traurigkeit, Antriebslosigkeit oder Ängste bei dir und sprich das offen an, auch wenn die Geburt schon eine Weile zurückliegt.

Die Untersuchungen für dein Baby: der Eltern-Kind-Pass

In Österreich gibt es keine U1- oder U2-Untersuchungen, das ist das deutsche System. Hierzulande begleitet der Eltern-Kind-Pass dein Baby, er heißt seit 1. Jänner 2024 so und hieß davor Mutter-Kind-Pass. Die erste Untersuchung deines Babys findet in der 1. Lebenswoche statt, mit Wiegen, Messen und einer körperlichen Untersuchung. Unabhängig davon läuft direkt nach der Geburt schon das Neugeborenen-Screening, ein Bluttest aus der Ferse zwischen 36 und 72 Stunden nach der Geburt auf seltene Stoffwechsel- und Hormonerkrankungen, dazu ein Hörscreening. Die nächste Eltern-Kind-Pass-Untersuchung folgt in der 4. bis 7. Lebenswoche, unter anderem mit einer Hüftultraschall-Kontrolle. Weitere Termine folgen bis zum 5. Lebensjahr deines Kindes.

Wochenbettbetreuung durch die Hebamme: wie oft kommt sie?

Auch nach der Entlassung aus dem Spital bist du im Wochenbett nicht allein. Eine Vertragshebamme (Kassenhebamme) kommt bis zum 5. Tag nach der Geburt auf Wunsch täglich zu dir nach Hause, bei Mehrlingen, nach einem Kaiserschnitt oder einer Frühgeburt sogar bis zum 6. Tag. Zwischen dem 6. Tag und der 8. Woche sind weitere Hausbesuche möglich, zum Beispiel bei Stillproblemen, einer Dammverletzung oder wenn mit dem Nabel deines Babys etwas ist. Diese Leistung übernimmt die ÖGK direkt, dir entstehen dabei keine Kosten.

Häufige Fragen

Welche Untersuchung bekommt mein Baby direkt nach der Geburt in Österreich?

Direkt im Kreißsaal erfolgen der APGAR-Test und die Vitamin-K-Gabe. Die erste offizielle Eltern-Kind-Pass-Untersuchung des Babys findet dann in der 1. Lebenswoche statt, unabhängig davon läuft 36 bis 72 Stunden nach der Geburt das Neugeborenen-Screening mit Fersenblut und Hörtest.

Wie oft kommt die Hebamme nach der Geburt zu mir nach Hause?

Eine Vertragshebamme der ÖGK kommt bis zum 5. Tag nach der Geburt auf Wunsch täglich, nach einem Kaiserschnitt oder bei Mehrlingen bis zum 6. Tag. Danach sind bis zur 8. Woche weitere Besuche bei Bedarf möglich, etwa bei Stillproblemen.

Wie unterscheiden sich Baby Blues und Wochenbettdepression?

Der Baby Blues ist ein kurzes Stimmungstief, das etwa 75 Prozent der Mütter zwischen Tag 3 und 5 erleben und das von selbst wieder abklingt. Halten Traurigkeit, Antriebslosigkeit oder Ängste länger als zwei Wochen an, spricht man von einer Wochenbettdepression, die behandelt werden sollte.

Kann eine Wochenbettdepression auch erst Monate nach der Geburt auftreten?

Ja. Eine Wochenbettdepression kann sich schleichend entwickeln und bis zu einem Jahr nach der Geburt auftreten, nicht nur in den ersten Wochen.

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Quellen: BZgA familienplanung.de; kindergesundheit-info.de; Kinderärzte im Netz; AOK; DKV; Aptaclub; Helios Gesundheit, Stand 2025.
Diese Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine ärztliche Beratung oder Hebammenbetreuung.

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