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Baby richtig anlegen

Baby richtig anlegen

Die besten Stillpositionen für einen guten Start

Baby richtig anlegen ist der Schlüssel zum erfolgreichen Stillen. Wenn dein Baby die Brust gut erfasst, fließt die Milch optimal, du bekommst keine wunden Brustwarzen und dein Baby wird satt und zufrieden. Hier erfährst du Schritt für Schritt, wie es klappt – und welche Stillposition für welche Situation am besten geeignet ist.

Die wichtigste Antwort vorab

Richtiges Anlegen ist asymmetrisch: Dein Baby öffnet den Mund weit (wie beim Gähnen) und erfasst unten mehr Brustgewebe als oben. Das Kinn berührt zuerst die Brust, die Nase bleibt frei. Anfängliches Ziehen ist normal – anhaltender Schmerz nicht. Bei Schwierigkeiten frag deine Hebamme oder eine zertifizierte Stillberaterin (IBCLC).

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Warum richtiges Anlegen so wichtig ist

Die meisten Stillprobleme – wunde Brustwarzen, Milchstau, scheinbar „zu wenig Milch” – haben eine gemeinsame Ursache: eine ungünstige Anlegetechnik. Wenn dein Baby nur an der Brustwarze saugt statt einen großen Teil des Warzenhofs zu erfassen, entstehen gleich mehrere Probleme:

  • Wunde Brustwarzen: Das Baby „kaut” auf der empfindlichen Brustwarze statt effektiv zu saugen
  • Weniger Milch: Die Milchgänge werden nicht optimal stimuliert und entleert
  • Unzufriedenes Baby: Es saugt lange, bekommt aber trotzdem nicht genug Milch
  • Milchstau-Risiko: Bestimmte Brustbereiche werden nicht vollständig entleert

Die gute Nachricht

Richtiges Anlegen ist keine Zauberei – es lässt sich lernen! Die meisten Mütter brauchen ein paar Tage bis Wochen Übung. Mit jeder Stillmahlzeit wird es leichter, und irgendwann macht ihr es automatisch richtig.

So erkennst du korrektes Anlegen

Woher weißt du, ob dein Baby richtig an der Brust liegt? Es gibt klare Anzeichen:

Checkliste: Sitzt dein Baby richtig?

  • Mund weit geöffnet

    Wie beim Gähnen – möglichst weit aufgesperrt

  • Lippen nach außen gestülpt

    Wie ein Fischmäulchen, nicht nach innen gezogen

  • Großer Teil des Warzenhofs im Mund

    Unten mehr sichtbar als oben

  • Kinn berührt die Brust

    Nase frei oder nur leicht berührend

  • Wangen gerundet

    Nicht eingefallen – eingefallene Wangen = schlechtes Vakuum

  • Hörbares Schlucken

    Regelmäßig, nicht nur Sauggeräusche

  • Keine anhaltenden Schmerzen

    Anfängliches Ziehen ist normal, dauerhafter Schmerz nicht

Die asymmetrische Anlegetechnik

Modernes Stillen funktioniert asymmetrisch: Das Baby erfasst unten mehr Brustgewebe als oben. Dadurch liegt die Brustwarze weit hinten im Mund Richtung weichem Gaumen, wo sie geschützt ist und die Milch optimal fließen kann.

Merkhilfe: „Kinn führt, Nase folgt”

Das Kinn deines Babys berührt zuerst die Brust, die Nase bleibt frei oder berührt nur leicht. Wenn die Nase stark eingedrückt ist, sitzt das Baby zu mittig.

Schritt für Schritt: Baby richtig anlegen

1. Bequeme Position einnehmen

Setz oder leg dich entspannt hin. Dein Rücken ist gestützt, deine Schultern locker. Leg dir Kissen bereit. Wichtig: Du beugst dich nicht zum Baby hinunter – das Baby kommt zu dir!

2. Baby in Position bringen

Dein Baby liegt auf der Seite, Bauch an Bauch mit dir. Ohr, Schulter und Hüfte bilden eine gerade Linie. Der Kopf ist leicht nach hinten geneigt – nicht nach vorne gebeugt.

3. Brust anbieten (C-Griff)

Forme mit deiner Hand ein „C”: Daumen oben, Finger unten, weit hinter dem Warzenhof (mindestens 4–5 cm). So kannst du die Brust leicht zusammendrücken und anbieten.

4. Suchreflex auslösen

Berühre mit deiner Brustwarze sanft die Oberlippe oder Nase deines Babys. Warte, bis es den Mund weit öffnet – wie beim Gähnen. Nicht bei einem kleinen Mündchen anlegen!

5. Baby zur Brust führen

Wenn der Mund weit offen ist: Bring dein Baby schnell und entschlossen zur Brust (nicht die Brust zum Baby!). Das Kinn dockt zuerst an, das Baby erfasst von unten viel Brustgewebe.

6. Kontrolle und Korrektur

Prüfe die Checkliste oben. Wenn es schmerzt: Löse das Vakuum (kleinen Finger sanft in den Mundwinkel schieben) und beginne neu. Niemals das Baby einfach von der Brust ziehen!

Wichtig

Anfängliches Ziehen beim Andocken (10–30 Sekunden) ist normal und vergeht. Anhaltender Schmerz während des gesamten Stillens ist ein Zeichen für falsches Anlegen. Löse das Baby ab und versuche es erneut!

Die wichtigsten Stillpositionen

Es gibt nicht die eine richtige Stillposition – wichtig ist, dass sie für euch beide funktioniert. Wechsle regelmäßig die Position, um alle Brustbereiche gleichmäßig zu entleeren und Milchstau vorzubeugen.

Wiegegriff (klassische Haltung)

Der Klassiker für geübte Stillpaare

Du sitzt aufrecht, dein Baby liegt quer über deinem Bauch in deiner Armbeuge. Sein Kopf ruht in der Ellenbogenbeuge der Seite, an der du stillst.

So geht’s: Baby liegt auf der Seite, Bauch an Bauch mit dir. Ohr, Schulter und Hüfte bilden eine Linie. Stütze deinen Arm mit einem Kissen ab.

Geübte Stillpaare Unterwegs Ältere Babys

Kreuzgriff (modifizierter Wiegegriff)

Perfekt für den Stillstart

Du hältst dein Baby mit dem gegenüberliegenden Arm. Stillst du an der rechten Brust, hältst du es mit dem linken Arm – so hast du mehr Kontrolle über den Kopf.

So geht’s: Deine Hand stützt den Nacken (nicht den Hinterkopf!) zwischen Daumen und Zeigefinger. Die andere Hand formt den C-Griff an der Brust.

Neugeborene Stillstart Mehr Kontrolle

Rückengriff / Football-Haltung

Perfekt nach Kaiserschnitt

Dein Baby liegt seitlich unter deinem Arm, die Beine zeigen nach hinten. Das Gewicht liegt nicht auf deinem Bauch – ideal nach einer Bauch-Operation.

So geht’s: Setz dich aufrecht hin, leg ein festes Kissen neben dich. Baby auf dem Kissen, Beine nach hinten, Gesicht zu dir. Stütze den Nacken.

Nach Kaiserschnitt Große Brüste Zwillinge Flache Brustwarzen

Seitenlage

Entspannt für nachts

Du liegst auf der Seite, dein Baby liegt dir zugewandt – Bauch an Bauch. Perfekt für nächtliches Stillen und wenn du erschöpft bist.

So geht’s: Leg dich auf die Seite, Baby auf gleicher Höhe wie deine Brust. Stütze seinen Rücken mit einer zusammengerollten Decke.

Nächtliches Stillen Nach Dammverletzung Bei Erschöpfung Nach Kaiserschnitt

Zurückgelehnt (Laid-back / intuitives Stillen)

Nutzt die natürlichen Reflexe

Du lehnst dich entspannt zurück (ca. 45 Grad), dein Baby liegt bäuchlings auf dir – am besten Haut auf Haut. Es sucht und findet die Brust selbst. Besonders bonding-fördernd!

So geht’s: Lehne dich zurück, stütze dich mit Kissen. Baby bäuchlings auf deinen Oberkörper legen. Gib ihm Zeit – es wird die Brust instinktiv finden.

Direkt nach der Geburt Bonding Starker Milchspendereflex Unruhige Babys

Tipp für Mütter mit großen Brüsten

Rolle ein kleines Handtuch zusammen und lege es unter deine Brust, um sie anzuheben. So muss dein Baby den Kopf nicht so weit nach hinten neigen und die Brustwarze zeigt besser Richtung Mund.

Häufige Fehler beim Anlegen und Lösungen

Baby liegt zu weit weg

Das Baby muss ganz nah an deinem Körper liegen – Bauch an Bauch, ohne Lücke.

Lösung: Bring das Baby näher zu dir, statt dich hinunterzubeugen. Nutze Kissen zur Unterstützung.

Mund nicht weit genug geöffnet

Viele Babys öffnen den Mund nur ein bisschen. Es braucht aber einen Riesenmund wie beim Gähnen!

Lösung: Geduldig warten und die Lippen sanft stimulieren. Erst anlegen, wenn der Mund wirklich weit offen ist.

Kopf zu stark nach vorne gedrückt

Wenn du den Hinterkopf drückst, klappt das Kinn auf die Brust und das Baby kann nicht richtig schlucken.

Lösung: Stütze nur den Nacken, nie den Hinterkopf. Der Kopf sollte leicht nach hinten geneigt sein.

Brust zum Baby drücken

Wenn du die Brust aktiv in den Mund schiebst, landet oft nur die Brustwarze im Mund.

Lösung: Das Baby zur Brust führen, nicht umgekehrt. Schnell und entschlossen, wenn der Mund weit offen ist.

C-Griff zu nah an der Brustwarze

Finger direkt am Warzenhof verhindern, dass das Baby genug Gewebe erfasst.

Lösung: Finger mindestens 4–5 cm hinter der Brustwarze positionieren.

Hilfreiche Stillhilfsmittel

Einige Hilfsmittel können den Stillstart deutlich erleichtern:

Stillkissen

Ein gutes Stillkissen entlastet Arme, Schultern und Rücken enorm. Besonders wichtig beim Clusterfeeding in den ersten Wochen.

Brustwarzensalbe

Reines Lanolin pflegt strapazierte Brustwarzen und muss vor dem Stillen nicht abgewaschen werden. Mehr dazu: Wunde Brustwarzen – was wirklich hilft.

Empfehlung

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100 % reines Lanolin, klinisch getestet, muss nicht vor dem Stillen entfernt werden. Hilft bei wunden, rissigen Brustwarzen.

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Kühlende Kompressen

Bei empfindlichen Brustwarzen können kühlende Kompressen zwischen den Stillmahlzeiten die Heilung unterstützen.

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Kühlende Gelkompressen für empfindliche Brustwarzen. Direkt aus dem Kühlschrank verwendbar.

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Stillhütchen – nur im Notfall

Können bei flachen Brustwarzen vorübergehend helfen, sollten aber nur nach Rücksprache mit einer Stillberaterin verwendet werden.

Wichtig

Stillhütchen sind keine Dauerlösung! Sie können die Milchübertragung reduzieren und sollten nur übergangsweise und unter Begleitung einer Stillberaterin (IBCLC) genutzt werden.

Wann du dir Hilfe holen solltest

Stillen ist natürlich – aber nicht immer einfach. Es ist keine Schwäche, sich Unterstützung zu holen.

Hol dir Hilfe, wenn:

  • Anlegen bleibt schmerzhaft

    Trotz mehrerer Versuche anhaltende Schmerzen

  • Wunde oder blutige Brustwarzen

    Brustwarzen sind wund, rissig oder bluten

  • Baby wirkt hungrig nach dem Stillen

    Unruhig und zeigt weiterhin Hungerzeichen

  • Wenige nasse Windeln

    Weniger als 6 pro Tag ab Tag 5 oder keine Gewichtszunahme

  • Verhärtungen in der Brust

    Schmerzhafte Knoten oder Verhärtungen

Anlaufstellen für Stillhilfe

Deine Hebamme

Erste Anlaufstelle – kommt zu dir nach Hause und hilft direkt beim Anlegen.

Stillberaterin (IBCLC)

Zertifizierte Fachkraft für komplexe Stillprobleme. Suche über bdl-stillen.de (BDL) oder vsls.at (VSLÖ Österreich).

La Leche Liga – Beraterinnen-Suche

Stillberatung durch ehrenamtliche Beraterinnen vor Ort. Suche über lalecheliga.de (DE) und lalecheliga.at (AT).

Stillgruppen

Austausch mit anderen Müttern, oft kostenlos bei Familienzentren, Hebammenpraxen oder online.

Buchtipp

„Stillen” von Márta Guóth-Gumberger

Umfassender Ratgeber einer erfahrenen Stillberaterin. Einfühlsam, fundiert und praxisnah – von der Vorbereitung bis zum Abstillen.

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Du schaffst das!

Die ersten Tage und Wochen können herausfordernd sein – aber es wird leichter. Die meisten Stillprobleme lassen sich lösen, wenn du dir früh Unterstützung holst. Egal wie euer Stillweg aussieht: Du machst das großartig!

Häufige Fragen zum Anlegen

Woran erkenne ich, dass mein Baby richtig angelegt ist?

Richtiges Anlegen erkennst du an mehreren Anzeichen: der Mund ist weit geöffnet, die Lippen sind nach außen gestülpt, ein großer Teil des Warzenhofs ist im Mund (unten mehr als oben), das Kinn berührt die Brust, die Wangen sind gerundet, und du hörst regelmäßiges Schlucken. Anfängliches Ziehen ist normal, anhaltender Schmerz ist es nicht.

Welche Stillposition ist die beste?

Es gibt nicht die eine beste Stillposition – die richtige ist die, die für dich und dein Baby angenehm ist. Für den Stillstart eignen sich der Kreuzgriff (mehr Kontrolle) und das zurückgelehnte Stillen (Laid-back). Nach einem Kaiserschnitt sind die Football-Haltung und die Seitenlage besonders angenehm. Wichtig ist, die Positionen regelmäßig zu wechseln, um alle Brustbereiche gleichmäßig zu entleeren.

Warum tut Stillen weh?

Anfängliches Ziehen beim Andocken (10–30 Sekunden) ist normal. Anhaltender Schmerz während des gesamten Stillens deutet meist auf eine ungünstige Anlegetechnik hin. Häufige Ursachen: Baby liegt zu weit weg, Mund nicht weit genug geöffnet, oder es erfasst zu wenig Brustgewebe. Bei wunden Brustwarzen oder anhaltenden Schmerzen wende dich an deine Hebamme oder eine Stillberaterin (IBCLC).

Wie löse ich mein Baby richtig von der Brust?

Niemals das Baby einfach von der Brust ziehen – das kann zu wunden Brustwarzen führen. Löse stattdessen das Vakuum: Schiebe deinen sauberen kleinen Finger sanft in den Mundwinkel zwischen Brust und Lippe deines Babys. Das Vakuum wird unterbrochen und du kannst die Brust sanft entfernen.

Wie oft soll ich mein Baby anlegen?

Laut Netzwerk „Gesund ins Leben” und der Nationalen Stillkommission solltest du dein Baby nach Bedarf stillen – also immer dann, wenn es Hungerzeichen zeigt. In den ersten Wochen sind 8 bis 12 Stillmahlzeiten pro 24 Stunden normal. Häufiges Anlegen ist wichtig, weil es die Milchproduktion anregt und sich die Stillbeziehung etabliert.

Quellen: Netzwerk „Gesund ins Leben” (Bundeszentrum für Ernährung im BMLEH) – Handlungsempfehlungen Ernährung und Bewegung von Säuglingen und stillenden Frauen, Teilaktualisierung 2024; World Health Organization (WHO) / UNICEF – Baby-Friendly Hospital Initiative; Nationale Stillkommission am Max Rubner-Institut (MRI) – Empfehlungen zum Stillen; La Leche Liga Deutschland – Stillpositionen und Anlegetechniken; Academy of Breastfeeding Medicine – Clinical Protocols; AGES / Richtig Essen Von Anfang An (REVAN); Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ).

Die Inhalte auf dieser Seite dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle Rechts-, Steuer- oder Sozialberatung. Für verbindliche Auskünfte wende dich an die zuständigen Stellen (z. B. Arbeiterkammer, Krankenversicherungsträger, Finanzamt).

Stand: 2026