Geburt

Kaiserschnitt & besondere Situationen

Geplant, ungeplant oder Notfall: was du wissen solltest

Fast jede dritte Geburt in Deutschland und Österreich ist heute ein Kaiserschnitt. Manchmal ist er von Anfang an geplant, manchmal wird er während der Geburt notwendig. Auch wenn du dir eine natürliche Geburt wünschst, kann es helfen, über den Ablauf eines Kaiserschnitts Bescheid zu wissen, für den Fall der Fälle.

~30%
Kaiserschnitt-Rate in DE & AT
30–45
Minuten OP-Dauer
4–7
Tage Klinikaufenthalt
6–8
Wochen bis zur Erholung

Geplant, ungeplant oder Notfall?

Nicht jeder Kaiserschnitt ist gleich. Je nach Situation unterscheiden sich Vorbereitung, Ablauf und auch das emotionale Erleben.

Geplanter Kaiserschnitt

Primäre Sectio

Wird vor Wehenbeginn zu einem festen Termin durchgeführt, meist 1–2 Wochen vor dem errechneten Termin. Du hast Zeit für Aufklärung und Vorbereitung.

Ungeplanter Kaiserschnitt

Sekundäre Sectio

Wird während der Geburt notwendig, z.B. bei Geburtsstillstand. Meist bleibt genug Zeit für Aufklärung, kein akuter Notfall, aber auch nicht planbar.

Notkaiserschnitt

Notfall-Sectio

Mutter oder Kind sind akut gefährdet. Das Baby muss innerhalb von Minuten geholt werden, oft unter Vollnarkose. Kommt zum Glück selten vor.

Wann ist ein Kaiserschnitt nötig?

Manchmal führt kein Weg am Kaiserschnitt vorbei (absolute Indikation), manchmal wird er aus Vorsicht empfohlen, obwohl eine vaginale Geburt theoretisch möglich wäre (relative Indikation).

Absolute Indikationen (Kaiserschnitt zwingend)

  • Querlage: Baby liegt quer und kann nicht geboren werden
  • Plazenta praevia: Mutterkuchen liegt vor dem Muttermund
  • Nabelschnurvorfall: Nabelschnur kommt vor dem Baby
  • Vorzeitige Plazentaablösung: Akute Gefahr für Mutter und Kind
  • Kopf-Becken-Missverhältnis: Baby passt nicht durchs Becken

Relative Indikationen (Kaiserschnitt empfohlen)

  • Beckenendlage: Baby liegt mit dem Po nach unten
  • Mehrlinge: Bei Zwillingen oder mehr
  • Früherer Kaiserschnitt: Je nach Narbenqualität
  • Geburtsstillstand: Geburt kommt nicht voran
  • Auffällige Herztöne: Hinweis auf kindliche Belastung
  • Erkrankungen der Mutter: z.B. Präeklampsie, Diabetes, Herzerkrankung

Wunschkaiserschnitt

Manche Frauen entscheiden sich ohne medizinischen Grund für einen Kaiserschnitt, z.B. aus Angst vor der vaginalen Geburt. Das ist möglich, sollte aber gut durchdacht werden. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten nur bei medizinischer Indikation oder besonderen psychischen Gründen.

So läuft ein Kaiserschnitt ab

Bei einem geplanten Kaiserschnitt hast du Zeit, dich vorzubereiten. Der Ablauf ist standardisiert und dauert insgesamt etwa 30–45 Minuten.

1

Vorbereitung

Du kommst nüchtern in die Klinik. Im Vorfeld hast du ein Aufklärungsgespräch mit dem Anästhesisten. Du bekommst einen Venenzugang und ggf. einen Blasenkatheter.

2

Betäubung

In der Regel eine Spinalanästhesie: du bist wach, spürst aber ab der Hüfte nichts mehr. Bei einem Notkaiserschnitt kann eine Vollnarkose nötig sein.

3

Der Schnitt

Ein ca. 12–15 cm langer horizontaler Schnitt in der Bikinizone. Die Gewebeschichten werden vorsichtig geöffnet, bis die Gebärmutter erreicht ist.

4

Geburt des Babys

Das Baby wird aus der Gebärmutter gehoben, du spürst dabei oft einen Druck. Du kannst dein Baby oft sofort sehen und begrüßen!

5

Nachsorge

Die Plazenta wird entfernt, Gebärmutter und Bauchdecke werden genäht. Das dauert ca. 20–30 Minuten. In dieser Zeit kannst du oft schon kuscheln.

Bonding ist auch im OP möglich!

Viele Kliniken ermöglichen heute „sanfte” Kaiserschnitte: Das Baby wird dir direkt auf die Brust gelegt (Bonding), dein Partner darf dabei sein und du erlebst die Geburt bewusst mit. Frag vorher nach den Möglichkeiten in deiner Klinik.

Vor- und Nachteile im Überblick

Vorteile

  • Planbarer Termin (bei geplantem KS)
  • Keine Wehenschmerzen
  • Kein Dammriss oder -schnitt
  • Beckenbodenmuskulatur bleibt geschont
  • Lebensrettend bei Komplikationen
  • Kontrollierter Ablauf

Nachteile / Risiken

  • Längere Erholungszeit als bei vaginaler Geburt
  • Operationsrisiken (Infektion, Blutung)
  • Narbe bleibt (meist kaum sichtbar)
  • Baby evtl. anfangs Anpassungsschwierigkeiten
  • Stillen kann verzögert starten
  • Auswirkungen auf Folgeschwangerschaften

Risiko für Folgeschwangerschaften

Ein Kaiserschnitt kann das Risiko für Probleme in späteren Schwangerschaften erhöhen (z.B. Plazenta praevia, Uterusruptur). Zwischen zwei Schwangerschaften sollten mindestens 12 Monate liegen. Eine vaginale Geburt nach Kaiserschnitt (VBAC) ist oft möglich, besprich dies frühzeitig mit deinem Arzt.

Erholung & Wochenbett

Nach einem Kaiserschnitt braucht dein Körper mehr Zeit zur Erholung als nach einer vaginalen Geburt: schließlich war es eine Bauchoperation. Gönne dir Ruhe und nimm Hilfe an.

Tag 1

Erstes Aufstehen

Schon am ersten Tag kurz aufstehen, wichtig für den Kreislauf und zur Thrombosevorbeugung. Mit Hilfe und Schmerzmitteln.

Tag 2–3

Mobilisierung

Katheter wird entfernt, Wunde wird kontrolliert. Langsam mehr bewegen, Baby mit Hilfe versorgen. Stillstart möglich.

Tag 4–7

Entlassung

Die meisten Frauen können nach 4–7 Tagen nach Hause. Fäden werden ggf. gezogen. Schonung ist weiter wichtig!

3 Wochen

Äußere Heilung

Die Narbe ist oberflächlich verheilt. Narbenmassage kann beginnen. Noch kein Heben, keine Anstrengung.

6 Wochen

Nachuntersuchung

Gynäkologische Kontrolle. Wochenfluss ist meist vorbei. Rückbildung kann langsam beginnen.

3–6 Monate

Innere Heilung

Muskeln und Nerven regenerieren sich. Leichter Sport wieder möglich. Narbe kann noch Monate empfindlich sein.

Tipps für die Erholung

  • Weiche Kleidung tragen: Nichts sollte auf der Narbe drücken oder reiben: Umstandsleggings sind perfekt.
  • Seitlich aufstehen: Dreh dich auf die Seite und stütze dich mit den Armen ab, um die Bauchmuskulatur zu schonen.
  • Narbe schützen: Beim Husten oder Niesen leichten Gegendruck mit der Hand auf die Narbe geben.
  • Nicht heben: Mindestens 6 Wochen nichts Schweres heben, auch kein Geschwisterkind!
  • Duschen ja, Baden erst später: Duschen ist schnell möglich, Vollbad erst nach ca. 4–5 Wochen.
  • Stillposition anpassen: Rückenhaltung oder Seitenlage schonen die Narbe, lass dir von der Hebamme helfen.

Gefühle zulassen

Besonders nach einem ungeplanten oder Notkaiserschnitt haben viele Frauen gemischte Gefühle. Die Freude über das Baby mischt sich mit Trauer über die „verpasste” natürliche Geburt. Das ist völlig normal.

  • Sprich darüber: Mit deinem Partner, deiner Hebamme oder anderen Müttern, die Ähnliches erlebt haben.
  • Nachbesprechung: Viele Kliniken bieten Geburtsgespräche an, frag nach, wenn du offene Fragen hast.
  • Bonding nachholen: Ein „Re-Bonding-Bad” oder viel Haut-zu-Haut-Kontakt kann helfen, die Bindung zu stärken.
  • Kein Vergleichen: Jede Geburt ist eine Geburt, egal wie. Du hast dein Baby auf die Welt gebracht!

Professionelle Hilfe suchen

Wenn belastende Gefühle länger anhalten, du Flashbacks hast oder dich nicht mit deinem Baby verbunden fühlst, zögere nicht, professionelle Hilfe zu suchen. Eine traumatische Geburtserfahrung kann und sollte aufgearbeitet werden.

Kaiserschnitt in Österreich: die aktuelle Rate

2025 kamen in Österreich 32,8 Prozent aller Babys per Kaiserschnitt zur Welt, das waren 24.748 von 75.437 Lebendgeborenen. Damit ist die Rate seit 2015 um gut drei Prozentpunkte gestiegen. Zum Vergleich, 1995 lag die Kaiserschnittrate in Österreich noch bei 12,4 Prozent. Zwischen den Bundesländern gibt es außerdem deutliche Unterschiede, das zeigen die Jahresdaten von Statistik Austria.

Notkaiserschnitt: was im echten Notfall passiert

Bei einem Notkaiserschnitt sind Mutter oder Kind akut gefährdet, zum Beispiel durch eine vorzeitige Plazentaablösung oder einen Nabelschnurvorfall. Das Team im Kreißsaal handelt dann sehr schnell und mit eingespielten Abläufen. Weil oft keine Zeit für eine Spinalanästhesie bleibt, kommt in diesen Fällen häufiger eine Vollnarkose zum Einsatz als beim geplanten oder ungeplanten Kaiserschnitt. Für viele Frauen ist das im Nachhinein einer der Gründe, warum sich ein Notkaiserschnitt besonders intensiv anfühlt und warum das Verarbeiten danach wichtig ist, mehr dazu im Abschnitt Gefühle zulassen.

Geplanter Kaiserschnitt: gut vorbereitet in den OP

Bei einem geplanten Kaiserschnitt hast du Zeit, dich in Ruhe vorzubereiten. Kläre vorab mit deiner Klinik, ob dein Partner oder deine Partnerin mit in den OP darf, ob ein sanfter Kaiserschnitt mit direktem Bonding auf der Brust möglich ist und was du selbst mitbringen sollst. Auch organisatorische Themen wie Kinderbetreuung für Geschwisterkinder oder die Anreise zur Klinik lassen sich bei einem planbaren Termin gut im Voraus regeln.

Kaiserschnitt und die nächste Geburt

Ein Kaiserschnitt bedeutet nicht automatisch, dass auch alle weiteren Geburten per Kaiserschnitt erfolgen müssen. Eine vaginale Geburt nach Kaiserschnitt, kurz VBAC genannt, ist in vielen Fällen möglich und wird von den Fachgesellschaften unterstützt, solange keine besonderen Risikofaktoren dagegensprechen. Ob VBAC für dich infrage kommt, besprichst du am besten frühzeitig in der nächsten Schwangerschaft mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, unter anderem spielen die Art der vorherigen Gebärmutternarbe und der zeitliche Abstand zur letzten Geburt eine Rolle.

Häufige Fragen

Wie hoch ist die Kaiserschnittrate in Österreich?

2025 kamen in Österreich 32,8 Prozent aller Babys per Kaiserschnitt zur Welt, das entspricht 24.748 von 75.437 Lebendgeborenen. Die Rate ist seit Jahrzehnten gestiegen, 1995 lag sie noch bei 12,4 Prozent.

Was ist der Unterschied zwischen geplantem und ungeplantem Kaiserschnitt?

Ein geplanter Kaiserschnitt (primäre Sectio) wird vor Wehenbeginn zu einem festen Termin durchgeführt. Ein ungeplanter Kaiserschnitt (sekundäre Sectio) wird erst während der bereits laufenden Geburt notwendig, zum Beispiel bei einem Geburtsstillstand, ist dabei aber in der Regel kein akuter Notfall.

Wie lange dauert die Erholung nach einem Kaiserschnitt?

Die äußere Wunde ist meist nach einigen Wochen verheilt, die vollständige körperliche Erholung nimmt jedoch mehrere Monate in Anspruch. Mit gezielter Rückbildung sollte nach einem Kaiserschnitt erst nach 8 bis 10 Wochen begonnen werden, später als nach einer vaginalen Geburt.

Ist nach einem Kaiserschnitt eine vaginale Geburt möglich?

Ja, eine vaginale Geburt nach Kaiserschnitt (VBAC) ist in vielen Fällen möglich, sofern keine besonderen Risikofaktoren dagegensprechen. Kläre das am besten frühzeitig in einer Folgeschwangerschaft mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.

Was passiert direkt nach der Geburt?

Bonding, erste Untersuchungen, Wochenbett: erfahre, was in den ersten Stunden und Tagen mit dir und deinem Baby passiert.

Zu Direkt nach der Geburt →
Quellen: S3-Leitlinie Sectio caesarea (DGGG/OEGGG/SGGG 2020, Überarbeitung ausständig); Statistik Austria, Geburtenstatistik 2025; gesundheit.gv.at. Stand September 2026.
Diese Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und ersetzen keine ärztliche Beratung.