Stillen & Fläschchen

Welche Säuglingsnahrung? Pre, 1er & HA im Überblick

Was Pre, 1er, Pre HA und Folgenahrung unterscheidet und was offizielle Quellen aktuell empfehlen

Säuglingsnahrung ist die einzige sichere Alternative oder Ergänzung zur Muttermilch im ersten Lebensjahr. Im Handel findest du verschiedene Stufen: Pre-Nahrung, 1er-Nahrung, HA-Nahrung (als Pre HA oder HA 1) und Folgenahrung. Welche Stufe wann sinnvoll ist, worin sich Pre und Pre HA unterscheiden und was sich 2024 bei der Empfehlung zur HA-Nahrung geändert hat: Hier findest du den Überblick auf Basis offizieller Empfehlungen des Netzwerks „Gesund ins Leben“ (Bundeszentrum für Ernährung), der Fachgesellschaften für Kinder- und Jugendheilkunde in Österreich und Deutschland und der WHO.

Die wichtigste Antwort vorab

Pre- und 1er-Nahrung sind beide laut Netzwerk „Gesund ins Leben“ für das gesamte erste Lebensjahr geeignet. Ein Wechsel auf 1er- oder Folgenahrung ist nicht notwendig. Pre HA ist Pre-Nahrung mit teilweise aufgespaltenem Eiweiß: Sie gilt als sicher, eine vorbeugende Wirkung gegen Allergien ist aber für kein Produkt nachgewiesen. Bei Fragen zur Auswahl wende dich an deine Hebamme oder Kinderärztin.

Säuglingsnahrung – wie sie gesetzlich geregelt ist

Die Zusammensetzung von Säuglingsnahrung ist innerhalb der EU einheitlich gesetzlich geregelt, durch die Delegierte Verordnung (EU) 2016/127. Hersteller müssen sich an strenge Vorgaben halten: zur Nährstoffzusammensetzung, zu Reinheitskriterien, zu mikrobiologischen Anforderungen und zu Pflanzenschutzmittel-Höchstwerten.

Es gibt zwei grundsätzliche Typen von Flaschennahrung für Säuglinge:

  • Säuglingsanfangsnahrung (Pre und 1): als alleinige Nahrung in den ersten Monaten geeignet
  • Folgenahrung (2 und 3): frühestens ab Beginn der Beikostfütterung

„Wenn nicht oder nicht ausschließlich gestillt wird, soll das Baby eine nach den gesetzlichen Regelungen hergestellte Säuglingsanfangsnahrung erhalten.”

— Netzwerk Gesund ins Leben (Bundeszentrum für Ernährung)

Säuglingsnahrungen können auf Basis von Kuhmilcheiweiß, Ziegenmilcheiweiß oder Sojaproteinisolaten hergestellt sein. Nur Produkte mit intaktem Kuh- oder Ziegenmilcheiweiß dürfen laut EU-Recht als „Säuglingsmilchnahrung” bezeichnet werden.

Pre, 1er, HA und Folgenahrung im Vergleich

Die Tabelle zeigt, was hinter den Bezeichnungen steckt. Rechtlich gibt es nur zwei Kategorien: Säuglingsanfangsnahrung für die Zeit ab der Geburt und Folgenahrung für die Zeit ab der Beikost. Pre, 1, 2, 3 und HA sind Handelsbezeichnungen der Hersteller.

BezeichnungKategorie laut EU-RechtKohlenhydrateEiweißGeeignet
PreSäuglingsanfangsnahrungnur LaktoseKuhmilcheiweiß (oder Ziegenmilcheiweiß), unverändertab Geburt, das ganze erste Lebensjahr
1SäuglingsanfangsnahrungLaktose, oft zusätzlich Stärke (höchstens 2 g je 100 ml)unverändertab Geburt, das ganze erste Lebensjahr
Pre HA und HA 1SäuglingsanfangsnahrungPre HA: in der Regel nur Laktose
HA 1: darf Stärke enthalten
teilweise aufgespalten (hydrolysiert)ab Geburt, das ganze erste Lebensjahr
2 und 3FolgenahrungLaktose und Stärke, auch andere Zuckerarten erlaubtunverändert, auch als HA erhältlichfrühestens ab 6 Monaten und erst mit der Beikost, kein Muss

Alle Säuglingsanfangsnahrungen müssen dieselben Vorgaben der Verordnung (EU) 2016/127 zu Nährstoffen, Reinheit und Hygiene erfüllen, unabhängig von Marke und Preis.

Pre-Nahrung: Was sie ist und für wen sie geeignet ist

Pre-Nahrung ist eine Säuglingsanfangsnahrung. Sie enthält als einziges verdauliches Kohlenhydrat Laktose (Milchzucker), genau wie Muttermilch. In der Konsistenz ist sie dünnflüssig.

Pre-Nahrung im Überblick

  • Geeignet ab: Geburt
  • Geeignet bis: Ende des ersten Lebensjahres
  • Kohlenhydrate: ausschließlich Laktose
  • Konsistenz: dünnflüssig
  • Fütterung: nach Bedarf, ähnlich wie beim Stillen

„Säuglingsanfangsnahrungen (Pre- oder 1-Nahrungen) sind zur Fütterung von Geburt an und für das gesamte 1. Lebensjahr geeignet.”

— Netzwerk Gesund ins Leben

1er-Nahrung: Wie sie sich von Pre unterscheidet

1er-Nahrung ist, wie Pre, eine Säuglingsanfangsnahrung. Der Unterschied liegt in der Zusammensetzung: 1er-Nahrung kann zusätzlich zur Laktose auch geringe Mengen Stärke enthalten. Dadurch ist sie dickflüssiger und sättigt teilweise länger.

Pre vs. 1er: die Unterschiede

  • Kohlenhydrate Pre: nur Laktose
  • Kohlenhydrate 1er: Laktose plus geringe Mengen Stärke
  • Konsistenz Pre: dünnflüssig
  • Konsistenz 1er: dickflüssiger
  • Eignung beider: von Geburt an, fürs gesamte erste Lebensjahr

Was offizielle Quellen sagen

Laut Netzwerk „Gesund ins Leben” sind Pre- und 1er-Nahrung gleichwertig und können beide während des gesamten ersten Lebensjahres gefüttert werden. Es gibt keine offizielle Empfehlung, von Pre auf 1er zu wechseln.

HA-Nahrung – die Empfehlung hat sich 2024 geändert

Wichtiges Update 2024

Empfehlung zur HA-Nahrung wurde aktualisiert

Bis 2024 wurde HA-Nahrung (hypoallergene Säuglingsanfangsnahrung) aktiv für Babys mit erhöhtem Allergierisiko empfohlen. Mit der Teilaktualisierung der Handlungsempfehlungen vom Juli 2024 wurde diese pauschale Empfehlung aufgegeben.

Aktueller Stand (Stand 06/2024): Es gibt derzeit keine HA-Nahrung mit von der EFSA bestätigtem Wirksamkeitsnachweis zur Allergieprävention. Eine Empfehlung für oder gegen eine bestimmte HA-Nahrung kann daher zum Zweck der Allergievorbeugung nicht ausgesprochen werden.

Was HA-Nahrung ist

HA steht für hypoallergen. Bei HA-Nahrung ist das Kuhmilcheiweiß teilweise aufgespalten (hydrolysiert), Fachleute sprechen von partiell hydrolysierter Nahrung. Die Idee dahinter: Das gespaltene Eiweiß soll weniger allergen wirken. HA-Nahrung gibt es als Pre HA und HA 1, teils auch als Folgenahrung.

Was österreichische Fachquellen sagen

Die gemeinsame Ernährungskommission der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) und der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) spricht seit 2023 keine eindeutige Empfehlung für HA-Nahrung mehr aus: Die Datenlage zur vorbeugenden Wirkung sei unsicher, die Sicherheit der Produkte aber anerkannt, ihre Verwendung bleibe eine mögliche Option. Ein älteres Informationsblatt von AGES und Gesundheitsministerium (Stand 2022) nennt für Risikokinder noch die frühere Empfehlung aus dem Jahr 2014.

Was offizielle Quellen aktuell empfehlen

Die S3-Leitlinie zur Allergieprävention 2022 (gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie sowie der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin) empfiehlt: Wenn ein Baby ein erhöhtes Allergierisiko hat und nicht ausschließlich gestillt wird, sollte geprüft werden, ob eine Säuglingsanfangsnahrung mit in Studien nachgewiesener allergiepräventiver Wirksamkeit verfügbar ist.

„Ist keine Säuglingsanfangsnahrung mit einem von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bestätigten Wirksamkeitsnachweis verfügbar, kann keine Empfehlung für oder gegen eine bestimmte Säuglingsanfangsnahrung zum Zweck der Allergieprävention gegeben werden.”

— Netzwerk Gesund ins Leben, Teilaktualisierung Juli 2024

Wann besteht ein erhöhtes Allergierisiko?

Ein erhöhtes Allergierisiko liegt laut S3-Leitlinie vor, wenn mindestens ein Elternteil oder Geschwisterkind eine atopische Erkrankung hat, also Asthma bronchiale, allergische Rhinitis (Heuschnupfen), atopische Dermatitis (Neurodermitis) oder eine Nahrungsmittelallergie.

Wichtig für Eltern

Wenn in deiner Familie Allergien vorkommen und du nicht oder nicht ausschließlich stillst, besprich die Wahl der Säuglingsnahrung am besten mit deiner Kinderärztin oder Kinderarzt. Die individuelle Situation kann sich von der allgemeinen Empfehlung unterscheiden.

Pre oder Pre HA: Was ist der Unterschied?

Pre und Pre HA sind beide Säuglingsanfangsnahrung. Beide sind von Geburt an geeignet, beide für das gesamte erste Lebensjahr, und beide müssen dieselben gesetzlichen Vorgaben erfüllen. Der Unterschied liegt allein im Eiweiß: In Pre-Nahrung ist das Kuhmilcheiweiß unverändert, in Pre HA ist es in kleinere Bruchstücke aufgespalten. Das soll das Risiko für eine Allergie senken, nachgewiesen ist dieser Effekt für kein Produkt.

Pre oder Pre HA auf einen Blick

  • Gemeinsam: Säuglingsanfangsnahrung, ab Geburt, fürs ganze erste Lebensjahr
  • Kohlenhydrate: bei beiden in der Regel nur Laktose
  • Eiweiß Pre: unverändertes Kuhmilcheiweiß
  • Eiweiß Pre HA: teilweise aufgespaltenes Kuhmilcheiweiß
  • Zweck von HA: gedacht zur Vorbeugung bei familiärem Allergierisiko
  • Nachgewiesener Nutzen: für kein HA-Produkt von der EFSA bestätigt
  • Sicherheit: beide gelten als sicher

Was bedeutet HA 1?

HA 1 ist die 1er-Stufe mit aufgespaltenem Eiweiß. Wie jede 1er-Nahrung darf sie neben Laktose auch Stärke enthalten und ist von Geburt an geeignet. Ob Pre HA oder HA 1: Beides ist Säuglingsanfangsnahrung fürs ganze erste Jahr.

Ab wann und wie lange HA-Nahrung?

Als Säuglingsanfangsnahrung ist HA-Nahrung von Geburt an geeignet. Die frühere Leitlinie empfahl sie für Kinder mit Allergierisiko in den ersten vier Lebensmonaten. Die aktuelle S3-Leitlinie nennt als Zeitraum die Zeit bis zur Einführung der Beikost, und zwar nur für eine Nahrung mit in Studien nachgewiesener Wirkung. Ein solches Produkt gibt es derzeit nicht. Wer HA-Nahrung gibt, muss nicht wechseln, und wer normale Pre-Nahrung gibt, muss nicht auf HA umsteigen.

Welche HA-Nahrung ist die beste?

Diese Frage lässt sich nicht mit einem Produkt beantworten. Alle Säuglingsanfangsnahrungen in der EU müssen dieselben Vorgaben zur Zusammensetzung erfüllen, und für keine HA-Nahrung ist eine vorbeugende Wirkung gegen Allergien von der EFSA bestätigt. Namenszusätze wie „Pro“, „Sensitiv“ oder „Comfort“ sind Herstellerbezeichnungen ohne einheitliche Definition. Aussagekräftig sind die Stufe (Pre, 1, 2) und das Kürzel HA. Bei Fragen zur Auswahl hilft dir deine Hebamme oder Kinderärztin.

Bei einer bestehenden Kuhmilchallergie

HA-Nahrung ist keine Behandlung. Laut den Ernährungskommissionen von ÖGKJ und DGKJ kommen bei einer diagnostizierten Kuhmilchallergie stark aufgespaltene Spezialnahrungen oder Aminosäurenahrungen zum Einsatz. Sie gelten als Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke und gehören in ärztliche Hände.

Folgenahrung (2er, 3er) – ist ein Wechsel notwendig?

Folgenahrung wird mit den Zahlen „2″ (ab dem 6. Monat beworben) und „3″ (ab dem 10. Monat beworben) gekennzeichnet. Sie hat eine ähnliche Zusammensetzung wie Säuglingsanfangsnahrung, weist aber meist einen höheren Eisengehalt auf.

„Säuglingsanfangsnahrungen können mit der Einführung der Beikost durch Folgenahrung ersetzt werden, die in der Regel mit ‚2′ gekennzeichnet ist. Ein Wechsel auf Folgenahrung ist nicht notwendig.”

— Netzwerk Gesund ins Leben

Kritik an der Werbung für Folgenahrung

Die Werbebeschränkungen für Säuglingsanfangsnahrung sind in der EU strikt geregelt. Für Folgenahrung gelten weniger strenge Werberegeln, obwohl sich die Produkte oft kaum unterscheiden und gleich aussehen.

„Die DGKJ spricht sich dafür aus, die für Säuglingsanfangsnahrung geltenden Werbebeschränkungen auch auf Folgenahrung anzuwenden.”

— Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ), zitiert nach Gesund ins Leben

Spezialnahrungen: AR, Comfort, Soja & Ziegenmilch

Im Handel gibt es verschiedene Spezialnahrungen, die für bestimmte Situationen entwickelt wurden. Diese sollten ausschließlich nach Rücksprache mit einer Kinder- und Jugendärztin/einem Kinder- und Jugendarzt verwendet werden.

AR-Nahrung (Anti-Reflux)

AR-Nahrungen enthalten Andickungsmittel (etwa Johannisbrotkernmehl) und werden bei Babys mit häufigem Spucken eingesetzt. Sie sollten nur nach kinderärztlicher Empfehlung gegeben werden.

Comfort-Nahrung

Bei Verdauungsproblemen werben Hersteller mit „Comfort”-Nahrungen. Auch hier gilt: Vor dem Wechsel mit der Kinderärztin sprechen.

Soja-basierte Nahrung

Säuglingsnahrungen auf Basis von Sojaproteinisolaten enthalten Phytoöstrogene (natürliche Inhaltsstoffe mit hormoneller Aktivität).

„[Soja-Nahrungen] sollten u. a. aufgrund ihres hohen Gehalts an Phytoöstrogenen nur nach begründeter Indikation und Rücksprache mit der Kinder- und Jugendärztin/dem Kinder- und Jugendarzt verwendet werden.”

— Netzwerk Gesund ins Leben

Ziegenmilch-basierte Nahrung

Auch Ziegenmilch-basierte Säuglingsanfangsnahrungen sind in der EU zugelassen, sofern sie die gesetzlichen Anforderungen der Verordnung 2016/127 erfüllen. Für die Allergieprävention bietet sie laut S3-Leitlinie keinen belegten Vorteil.

Tiermilchen und Pflanzendrinks sind keine Alternativen

Tiermilchen wie Stutenmilch, Schafmilch, Ziegenmilch (pur, nicht als zugelassene Säuglingsnahrung) sowie pflanzenbasierte Getränke (Hafer, Mandel, Soja als Drink) eignen sich laut Netzwerk „Gesund ins Leben” und S3-Leitlinie nicht als Muttermilchersatz und nicht zur Allergievorbeugung.

Pro- und Präbiotika in Säuglingsnahrung

Viele Hersteller werben mit dem Zusatz von Probiotika (lebensfähige Bakterienstämme wie Laktobazillen oder Bifidobakterien) oder Präbiotika (einfache Oligosaccharide). Diese sollen die Darmflora unterstützen oder „muttermilchähnliche” Effekte erzielen.

Was offizielle Quellen sagen

„Säuglingsanfangs- und Folgenahrungen, die mit ‚Pro- oder Präbiotika’ angereichert sind, haben nach derzeitigem Kenntnisstand für gesunde Säuglinge keinen sicher nachgewiesenen Vorteil.”

— Netzwerk Gesund ins Leben

HMOs (Humanmilch-Oligosaccharide)

Muttermilch enthält über 100 unterschiedliche komplexe Kohlenhydrate. Säuglingsnahrungen können einzelne, einfacher gebaute Oligosaccharide enthalten. Diese sind aber nicht identisch mit den HMOs in Muttermilch. Auch hier ist laut Netzwerk „Gesund ins Leben” kein klarer gesundheitlicher Vorteil belegt.

Was bei Säuglingsnahrung nicht erlaubt ist

Säuglingsnahrung niemals selbst herstellen

Das Netzwerk „Gesund ins Leben” rät ausdrücklich davon ab, Flaschennahrung selbst zu mischen. Selbstgemachte Mischungen (etwa aus Kuhmilch oder Pflanzendrinks) decken den Nährstoffbedarf eines Säuglings nicht ab und können zu schweren Mangelerscheinungen führen.

Diese Produkte sind keine Säuglingsnahrung

  • Kuhmilch: nicht als Hauptnahrung im 1. Lebensjahr
  • Pflanzendrinks: Hafer-, Mandel-, Reis-, Sojadrink etc. ersetzen keine Säuglingsnahrung
  • Tiermilchen: Stutenmilch, Schafmilch, Ziegenmilch (pur, nicht als zugelassene Säuglingsnahrung)
  • Selbstgemachte Mischungen

Bei Unsicherheit immer fachlich beraten lassen

Wenn du dir unsicher bist, welche Säuglingsnahrung passt, oder wenn dein Baby besondere Bedürfnisse hat (Frühgeborenes, Allergierisiko, Verdauungsprobleme), wende dich an deine Hebamme oder Kinder- und Jugendärztin. Sie kennen die individuelle Situation deines Babys.

Was die Bezeichnungen auf der Packung bedeuten

Ein kurzes Glossar für das Regal in Drogerie und Supermarkt:

  • Säuglingsanfangsnahrung: der gesetzliche Begriff für Nahrung ab der Geburt. Dazu zählen Pre und 1, jeweils auch als HA.
  • Folgenahrung: der gesetzliche Begriff für Nahrung ab der Beikost, frühestens ab sechs Monaten. Dazu zählen 2 und 3.
  • Pre: Anfangsnahrung mit Laktose als einzigem Kohlenhydrat, dünnflüssig.
  • 1: Anfangsnahrung, die zusätzlich Stärke enthalten darf (höchstens 2 g je 100 ml), dadurch etwas dickflüssiger.
  • 2 und 3: Folgenahrung, laut Fachquellen kein Muss.
  • HA: hypoallergen. Das Eiweiß ist teilweise aufgespalten. Erhältlich als Pre HA, HA 1 und teils als Folgenahrung. Keine Behandlung bei Kuhmilchallergie.
  • AR: Anti-Reflux. Mit Stärke oder Johannisbrotkernmehl angedickt, für Babys, die viel spucken. Nur nach Rücksprache mit der Kinderärztin.
  • Comfort, Sensitiv und Ähnliches: Herstellerbezeichnungen für Nahrungen, die bei Verdauungsbeschwerden beworben werden. Es gibt keine einheitliche Definition. Nur nach Rücksprache mit der Kinderärztin.
  • Bio: Das Produkt erfüllt die EU-Öko-Verordnung, mindestens 95 % der landwirtschaftlichen Zutaten stammen aus Bio-Erzeugung, der Code der Kontrollstelle steht auf der Packung. Die Vorgaben für Säuglingsnahrung gelten zusätzlich und für alle Produkte gleich.
  • Pro und ähnliche Zusätze: Namensbestandteile einzelner Hersteller ohne einheitliche Bedeutung. Sie sagen nichts über die Stufe aus. Entscheidend bleibt die Angabe Säuglingsanfangsnahrung oder Folgenahrung auf der Packung.

Häufige Fragen zu Säuglingsnahrung

Ist Pre-Nahrung besser als 1er-Nahrung?

Laut Netzwerk „Gesund ins Leben” sind sowohl Pre- als auch 1er-Nahrung von Geburt an und für das gesamte erste Lebensjahr geeignet. Beide sind als Säuglingsanfangsnahrung gleichwertig. Pre-Nahrung enthält als einziges Kohlenhydrat Laktose (wie Muttermilch), 1er-Nahrung kann zusätzlich geringe Mengen Stärke enthalten.

Wann sollte ich auf 1er-Nahrung wechseln?

Ein Wechsel von Pre- auf 1er-Nahrung ist laut Netzwerk „Gesund ins Leben” nicht notwendig. Beide Stufen können während des gesamten ersten Lebensjahres gefüttert werden. Wenn du unsicher bist, wende dich an deine Hebamme oder Kinderärztin.

Brauchen Babys mit Allergierisiko HA-Nahrung?

Die Empfehlung zur HA-Nahrung wurde im Juli 2024 vom Netzwerk „Gesund ins Leben” aktualisiert. Eine generelle Empfehlung für HA-Nahrung wird nicht mehr ausgesprochen. Empfohlen wird zu prüfen, ob eine Säuglingsanfangsnahrung mit von der EFSA bestätigter allergiepräventiver Wirksamkeit verfügbar ist. Aktuell (Stand 06/2024) ist das bei keiner HA-Nahrung der Fall.

Ist Folgenahrung (2er, 3er) notwendig?

Laut Netzwerk „Gesund ins Leben” ist ein Wechsel auf Folgenahrung nicht notwendig. Pre- und 1er-Nahrung können das gesamte erste Lebensjahr lang gegeben werden. Folgenahrung wird vom Hersteller mit der Beikosteinführung beworben, ist aber kein Muss.

Darf ich Säuglingsnahrung selbst zubereiten?

Nein. Das Netzwerk „Gesund ins Leben” rät ausdrücklich davon ab, Flaschennahrung selbst herzustellen. Auch Kuhmilch, Ziegenmilch, Stutenmilch oder Pflanzendrinks (Hafer, Mandel, Soja) eignen sich nicht als Muttermilchersatz für Säuglinge unter 12 Monaten und können zu Mangelerscheinungen führen.

Was ist der Unterschied zwischen Pre und Pre HA?

Beide sind Säuglingsanfangsnahrung, ab Geburt und für das gesamte erste Lebensjahr geeignet. In Pre HA ist das Kuhmilcheiweiß teilweise aufgespalten, in Pre-Nahrung ist es unverändert. Eine vorbeugende Wirkung gegen Allergien ist für kein HA-Produkt nachgewiesen, sicher sind beide.

Ab wann darf ein Baby HA-Nahrung bekommen?

Von Geburt an. Pre HA und HA 1 sind Säuglingsanfangsnahrung und für das gesamte erste Lebensjahr geeignet. Ob HA-Nahrung für euer Baby sinnvoll ist, besprichst du am besten mit Hebamme oder Kinderärztin.

Was bedeutet HA 1?

HA 1 ist 1er-Nahrung mit teilweise aufgespaltenem Eiweiß. Wie jede 1er-Nahrung darf sie Stärke enthalten und ist von Geburt an geeignet.

Welche HA-Nahrung ist die beste?

Es gibt keine Rangliste. Alle Säuglingsanfangsnahrungen in der EU erfüllen dieselben Vorgaben, und für keine HA-Nahrung ist eine vorbeugende Wirkung von der EFSA bestätigt. Zusätze im Produktnamen wie „Pro“ oder „Sensitiv“ sind Herstellerbezeichnungen ohne einheitliche Definition.

Quellen: Netzwerk „Gesund ins Leben“ (Bundeszentrum für Ernährung im BMLEH): Handlungsempfehlungen Ernährung und Bewegung von Säuglingen und stillenden Frauen, Teilaktualisierung 2024, sowie „Braucht mein Baby HA-Nahrung?“ (Stand 07/2024); Kopp MV, Muche-Borowski C, Abou-Dakn M et al., S3-Leitlinie Allergieprävention, Allergol Select 2022; Ernährungskommissionen der ÖGKJ und DGKJ (Haiden N. et al.), Monatsschrift Kinderheilkunde 2023; AGES, BMSGPK und DVSV: Informationen zu Säuglingsanfangs- und Folgenahrung sowie Kindermilch (richtigessenvonanfangan.at, Stand 04/2022); Delegierte Verordnung (EU) 2016/127 der Europäischen Kommission; Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA); Verbraucherzentrale: Babynahrung, wenn nicht oder nur teilweise gestillt wird (Stand 08/2024); verbrauchergesundheit.gv.at: Bio-Kennzeichnung von Lebensmitteln; World Health Organization (WHO).

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Stand: September 2026